Gesellschaft
Workaholics
Gefühle
Das Unbewusste
wird neu entdeckt
Bundeswehr
Bedingt einsatzbereit
Haushaltsgeräte
Dinge, die
die Welt nicht braucht?
Bethlehem
Altstadt
unter der
Abrissbirne
Tiere
Englisch
sprechende
Affen
Stress
Leben
auf der
Überhohlspur
Sprache
Akzentfrei
nur
als Kind
Wetter
Auch
das
Chaos
hat System
Fasten
Lust
auf Verzicht
Wissenschaften
Ende
eines
Krieges
Szene Berlin
barfuss
oder
LackSCHUH
Der
Autor
WILLIAM
VORSATZ
|
Schuh-Szene in Berlin
„barfuss oder lackSCHUH“ VERKAUFT SCHUHE, WAS SONST
Von Schuhen hatten sie keinen
Schimmer. Als sie hierher kamen, war hier nichts. Ihnen fehlte sogar das nötige Kleingeld.
Aber die Jungs hatten eine fixe Idee und zogen von Leder. Heute ist der alte Lebensmittelladen kaum
wiederzuerkennen, die Gegend auch nicht. Rund um die Oranienburger Straße flanieren
Berliner und Touristen, Arme, Reiche, Junge und Alte, ob barfuss oder
in lackSCHUH.
Die zwei gehören einfach hierher. Vor und hinter den Schaufenstern ist alles
provisorisch, alles im Aufbruch. Ingolf Meseg schaut an dem Wildschwein im
Schaufenster vorbei nach draußen. Er ist zufrieden, auch mit der Kundschaft. Gewandelt hat sich die Käuferschar schon.
Vor vier Jahren war das hier
noch eine Lastermeile. Bordsteinschwalben, Spieler und Aussteiger sind mittlerweile fast verschwunden.
Aber die Stammkunden, überwiegend aus den Ostbezirken, halten die Treue. Und plaudern. Eine wichtige Informationsquelle
für Meseg, denn eigentlich hatte er Heizungsmonteur gelernt. Wissenswertes über Schuhe, und davon hat er mittlerweile
eine Menge auf Lager – erfährt er vor allem von seinen Kunden.. denn wer hier reinkommt, muß Schuhe schon lieben,
findet der junge Geschäftsführer. Immerhin liegen die Preise zwischen 150 und 300 DM. Heute ist sein Know How
bares Geld wert: „Gerade die Ostdeutschen müssen sich an die Preise erst noch gewöhnen. Zweihundert Euro,
das ist eine magische Grenze. Alles darüber kostet schon viel Überzeugungsarbeit.
08/15 - Fehlanzeige?
Die meisten seiner Landsleute würden sowieso nicht nach unten schauen.
Schicke Klamotten, ja, schöne Schuhe – Fehlanzeige. Allerdings sind
Schuhe zu 800 Euro auch für ihn reine Perversion. Die angebotene Ware
kauft Inhaber Andrej Novak zum großen Teil direkt in Italien. Auch
das Ambiente ist nicht gerade 0-8-15. Alles Eigenleistung – wozu hat man
schließlich Freunde. Ohne die Hilfsbereitschaft aus dem Kiez gäbe
es das Geschäft wohl kaum. Die einen haben die Neonlampen gestiftet,
andere die Preßplatten auf den Fußboden genagelt, aber alles
mit einem Schuß Denkmalpflege. Der „Konsum-Waren-für-den-täglichen-Bedarf“-Stil
seht für Aufbruch und Provisorium.. Die Milchschleuse als Zeitzeuge.
Keine Angst vor Konkurrenz
Konkurenz fürchten die beiden nicht.
Filialisten machen einen Bogen um die Gegend am Hackeschen Markt. Das große Geld fließt eher an der Friedrichstraße.
Eine andere Welt. Novak findet es "superschwierig", Schuhe zu finden, die schräg und tragbar und unter 300 Euro daher kommen.
. Barfuß oder lackSCHUH" bedeutet für ihn, keine Halbheiten zu verkaufen. Keinen schicken Treter, der häßlich
zum Fuß ist.
Das Wichtigste: der Auftritt
"Jeder Schuh prägt deinen Gang. Mit einer anderen Form hast du plötzlich
einen völlig neuen Auftritt. Aber das mußt du den Leuten erstmal
begreiflich machen, ihnen klar machen, daß jede Schuhart ihre eigene
Geschichte hat und Schuhe ungeahnt viel bewirken können, zum Beispiel
Schweißfüße oder Kreuzschmerzen." Da hilft nur das Auswechseln
der Übeltäter, Meseg kennt das richtige Leder. Aber nicht nur
klassische Materialien schägt er los. Der Trend geht in den letzten
Jahren mehr und mehr zu Textilien, und die werden mit neuem Selbstbewustsein
zur Schau getragen."Die Natur wird nicht mehr gekupfert, sondern demonstrativ
verschont. Da ist ein neues Denkeen zu spüren."
Bei aller Begeisterung für´s
Neue: In einem Punkt sind die Durchstarter richtig konservativ. Sie hoffen,
daß die Gegend in ihrer Mischung so bleibt, nicht zu sehr Schickimiki
wird. Ganz konsequent sind sie dabei allerdings nicht. Denn die Baustellen,
die können von ihnen aus bleiben. Die gehören für sie einfach
dazu, zum Aufschwung. Genau wie ihr Laden.
Vielfältiges Sortiment
Den Stil ihres Sortiments
beschreiben die "Barfuß oder lackSCHUH"- Chefs als elegant
und sportlich. Ein bischen Classic, ein bischen Design, ein bischen
Casual. Zu den Marken, die im Geschäft zu haben sind, gehören
Kenzo, Camper, Antica, Cuiera und Carterpillar für Herren sowie
Janet & Janet, Marc O`Polo, Elizabeth Stuart und Camper für
Damen. | |